1. Folgemitteilung, Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz erhebt Anklage gegen drei Tatverdächtige in dem Verfahren gegen Drogenhändler im Darknet.

Die Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz, hat gegen drei Tatverdächtige im Alter von 25, 31 und 54 Jahren Anklage zur 3. großen Strafkammer des Landgerichts Mainz erhoben.
In der zwischenzeitlich zugestellten Anklageschrift werden den Angeschuldigten nach dem Ergebnis der von der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER)  Mainz des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz und des Zollfahndungsamtes Frankfurt am Main geführten Ermittlungen folgende Taten zur Last gelegt:
Der 31-jährige und der 54-jährige Angeschuldigte sollen gemeinsam über ein deutschsprachiges „Darknet Market Forum“ Cannabis, Amphetamin, Heroin, Kokain Methamphetamin (MDMA) und Ecstasy-Pillen vertrieben haben. Die Bestellungen erfolgten anonymisiert über Bitmessage, die Bezahlung ausschließlich über Bitcoins und die Lieferung auf dem Postweg. Die Angeschuldigten warben damit, innerhalb eines Tages zu liefern, was eine ständige Verfügbarkeit der angebotenen Drogen voraussetzt. Insgesamt sollen sie im Zeitraum vom 21.10.2015 bis zum 11.08.2016 in 570 Bestellvorgängen rund 5.300 Gramm Amphetamin, 550 Gramm Heroin, 660 Gramm Kokain, 400 Gramm MDMA, 1.800 Gramm Haschisch und 1100 Ectstasy-Pillen verkauft haben.
Am Morgen des 11.08.2016 wurden im Raum Regensburg 6 Objekte durchsucht. Dabei konnten rund 11 kg Amphetamin, 150 g Kokain, 250 g Heroin, 175 g MDMA, 1.425 Ecstasy-Pillen, 645 g Marihuana und eine Indoor-Plantage mit 72 Cannabispflanzen in verschiedenen Wachstumsphasen sowie Bargeld sichergestellt werden. Die sichergestellten Drogen haben einen Marktwert von ca. 130.000,- EUR.
Bei dem 31-jährigen Angeschuldigten konnten außerdem Bitcoins im Wert von 334.761,87 EUR sichergestellt werden, die aus seinen Drogengeschäften stammen sollen.
Der 25-jährige Angeschuldigte ist ein Abnehmer der beiden anderen Angeschuldigten. Ihm wird vorgeworfen in 2 Fällen 1.900 Gramm Amphetamin bzw. 250 Ectstasy-Pillen zum Zwecke des gewinnbringenden Weiterverkaufs erworben zu haben. Die letztgenannten Pillen konnten im Rahmen der Durchsuchung am 11.08.2016 sichergestellt werden.
Die Angeschuldigten haben sich bisher nicht zur Sache eingelassen.
Der zunächst gegen einen weiteren 31-jährigen bestehende Verdacht einer Beteiligung konnte durch die weiteren Ermittlungen nicht bestätigt werden. Das Verfahren wegen des Betriebs der bei ihm am 11.08.2016 sichergestellten Indoor-Plantage mit 72 Cannabispflanzen wurde deshalb abgetrennt und an die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft Regensburg abgegeben.
Die Anklage ist zur 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Mainz erhoben worden, weil die Betäubungsmittel unter anderem auch nach Mainz geliefert worden sind.
Das Landgericht Mainz hat über die Eröffnung des Verfahrens bisher nicht entschieden. Ein Termin für die Hauptverhandlung steht daher noch nicht fest. Anfragen zum weiteren gerichtlichen Verfahren bitte ich zu gegebener Zeit an die Pressestelle des Landgerichts Mainz zu richten.

Generalstaatsanwaltschaft Koblenz

Hintergrund:
Die Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) ist am 01.10.2014 bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz eingerichtet worden. Die Zentralstelle zieht Ermittlungen aus dem Bereich der Internetkriminalität des gesamten Landes dann an sich, wenn es sich entweder um Verfahren von besonderer Bedeutung, besondere Schwierigkeit und/oder von besonderem Umfang handelt.

Bitcoin
Bitcoin ist ein weltweit verfügbares dezentrales Zahlungssystem und der Name einer digitalen Geldeinheit. Überweisungen werden von einem Zusammenschluss von Rechnern über das Internet mithilfe einer speziellen Peer-to-Peer-Anwendung (Transfer der BitCoin unmittelbar von Computer zu Computer) abgewickelt, so dass dabei keine zentrale Abwicklungsstelle – wie im herkömmlichen Bankverkehr – benötigt wird. Die Guthaben der Teilnehmer werden in persönlichen digitalen Brieftaschen gespeichert. Der Marktwert von Bitcoins unterliegt  - ähnlich der analogen Geldwährung - Schwankungen und ergibt sich aufgrund von Angebot und Nachfrage. Aufgrund der weitgehenden Anonymität im Zahlungsverkehr sind BitCoin ein beliebtes Zahlungsmittel bei kriminellen Handlungen im sog. Darknet.

Darknet
Der Begriff bezeichnet den Teil des World Wide Web, der bei einer Recherche über normale Suchmaschinen nicht erscheint. Die im Darknet liegenden Webseiten bestehen überwiegend aus themenbezogenen Datenbanken bzw. Foren. Es handelt sich hierbei um – vielfach kriminelle – Inhalte und Schwarzmärkte, die nicht von Suchmaschinen indexiert werden sollen und damit nicht frei zugänglich sind. Darknet  - Märkte und Foren dienen überwiegend dem Umsatz von kriminellen Gütern jeglicher Art (Betäubungsmittel, Falschgeld, Waffen etc.). Aufmachung und Benutzerschnittstelle dieser „Darknetmärkte“ sind im Allgemeinen professionell ausgeführt und ähneln der Struktur bekannter virtueller Marktplätze wie ebay oder Amazon. Allein das tägliche Umsatzvolumen an Betäubungsmitteln im Darknet wird auf 300.000 bis 500.000 USD geschätzt.